Wisst ihr, was eine Stoppliste ist? Nicht so schlimm, ich bis heute auch nicht. Eine Stoppliste ist eine Liste (der Teil ist noch nicht so wahnsinnig schwer zu erraten), in der man die ungefähre Spieldauer eines Films notiert. Ok, das ist ja einfach, könnte man jetzt denken, aber die Sache hat einen entscheidenden Haken, und der besteht darin, dass der Film noch gar nicht existiert. Stattdessen braucht man dafür das Drehbuch des Films, für den die Stoppliste gemacht werden soll (man sollte das Drehbuch vorher am besten einmal gelesen haben), eine Stoppuhr und wenigstens ein bisschen Phantasie. Und wenn man das alles hat, kann es los gehen. Man muss sich nur die einzelnen Bilder im Drehbuch vorstellen, die Kamerafahrten, Dialoge und Aktionen mitdenken und nach jedem Bild die Zeit stoppen. Hier ein Beispiel für eine Szene:
BILD 56 / INNEN WOHNZIMMER SVENSON - ABEND
Malin, Deborah und Erick sitzen auf dem Sofa, die Teller vom Abendessen stehen noch auf dem Tisch, draußen schneit es. Malin steht auf und geht zum Fenster.
MALIN
Warum gehst du nicht Erick? Du wolltest doch noch weg, oder?
ERICK
Warum sollte ich, wenn Mo doch sowieso nicht da ist?
MALIN
Du lügst doch, du traust dich nur nicht, ich weiß noch genau wie du mir im letzten Jahr von diesem Mädchen vorgeschwärmt hast. Mos Cousine, nicht? Wie hieß sie doch gleich?
ERICK
Ich weiß es doch nicht. Ich wäre nur gegangen, um ihm eine Freude zu machen!
Malin dreht sich amüsiert um, blickt Erick in die Augen.
MALIN
Ich seh doch, dass du lügst. Jeder könnte sehen, dass du lügst.
Deborah öffnet den Mund, überlegt es sich dann aber anders.
WEITER MALIN
Nun geh schon. Du brennst doch geradezu darauf, endlich unbemerkt aus dem Haus verschwinden zu können!
ERICK
Und wenn schon, das wär' doch völlig egal!
MALIN
Aha, wer sagt's denn?! Geh doch mit ihr auf den See, sie wäre bestimmt begeistert!
Erick starrt Malin einen Moment lang an, verlässt dann wütend das Zimmer.
ERICK
(aus dem Off)
Frauen!
Da kann man sich eigentlich ganz gut eine Szene vorstellen. Jetzt muss man nur den Text so lesen, wie er in einem Dialog gesprochen werden würde, sich die Regieanweisungen vorstellen und dabei messen, wie viel Zeit man dafür ungefähr benötigt. Das muss man dann mit jedem Bild im Drehbuch machen, die gemessenen Zeiten addieren und schon hat man die ungefähre Spieldauer des Films. Um das Ergebnis noch etwas genauer zu machen, sollte man das ganze zweimal wiederholen und dann den Mittelwert errechnen.
So, jetzt wisst ihr wie man es macht und ich muss es nur noch in die Tat umsetzen (mit einer Tasse heißem Tee und ein wenig Schokolade wird das zu einem entspannten Mittwochabend mit 89 Seiten Drehbuch "Champagner und Kamillentee").
Die Stoppliste - meine Abendbeschäftigung